Mein Körper: Geboren fürs Anecken – Selbstbild als Mensch mit Behinderung
- Stephanie Biscan

- 6. Mai 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Mai 2025

Stell dir vor,
du wachst auf in einem Körper, der sich jeden Tag ein bisschen wie Widerstand anfühlt.
Nicht, weil du krank bist – sondern weil alles um dich herum dir suggeriert, dass du anders bist.
Stell dir vor, du bist ein Kind – mit Träumen, mit Energie, mit Lebenslust –
Und man sagt dir zwischen Arztterminen und Schulgesprächen:
„Du wirst viel Hilfe brauchen.“
„Du wirst langsamer sein.“
„Du wirst anders sein.“
Und irgendwann beginnt dein Selbstbild zu klingen wie diese Stimmen:
Langsam.
Nie genug.
Zu viel.
Zu wenig.
Nie ganz richtig.
Und dann brauchst du Jahre, um all das wieder von dir abzustreifen,
Was du nie freiwillig angezogen hast.
Dass mein Körper anders ist, habe ich schon sehr früh zu hören bekommen.
Ich fühlte mich wie ein Puzzlestück, das nicht ganz passt.
Wie B-Ware.
Ich erinnere mich noch sehr genau an den Sportunterricht in der Grundschule.
Ich wollte unbedingt mithalten:
Genauso schnell rennen.
Weit werfen.
Weit springen.
Ich konnte – und vielleicht wollte ich auch nicht akzeptieren –, dass mein Körper andere Grenzen hat.
Es geht nicht nur um das, was der Körper kann.
Es geht um das, was die Welt in ihn hineinliest.
Es ist nicht nur dein Körper, der anders ist
Es ist die Welt, die nicht mitdenkt.
Die Architektur, die dir Türen verschließt.
Die Sprache, die dich kleinredet oder verklärt.
Die Medien, die dich entweder ignorieren – oder zur Heldin machen, nur weil du morgens aufstehst.
Dann ist da die Bürokratie, die dich durch Schleifen schickt.
Die dich zwingt, deinen Bedarf zu beweisen.
Dich zu erklären.
Dich anzupassen.
Und dann sagt man dir:
„Du musst kämpfen!“
Aber wofür eigentlich?
Für Sichtbarkeit?
Für Teilhabe?
Für das Recht, einfach da zu sein und zu leben?
Vielleicht war es nie mein Körper, der mich ausgebremst hat.
Vielleicht war es die Norm um mich herum, das mir eingeredet hat, ich müsste jemand anderes sein.
Und vielleicht ist Heilung nicht das Streben nach Normalität – sondern das Loslassen davon.




Kommentare