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Warum wir weiterhin geschützte Räume für Menschen mit Behinderung brauchen

  • Autorenbild: Stephanie Biscan
    Stephanie Biscan
  • 3. Juni 2025
  • 2 Min. Lesezeit






In meiner Utopie brauchen wir das Wort Inklusion nicht mehr – ja, wir kennen es nicht einmal.

Weil es selbstverständlich ist.Alle Menschen sind überall willkommen. Nicht nur geduldet, sondern gewollt.


Und das zeigt sich nicht nur in freundlichen Gesten oder Absichtserklärungen, sondern in unserer Infrastruktur. In unseren Blicken.

In der Sprache, die wir sprechen – und in dem Raum, den wir einander lassen.


Inklusion ist kein Konzept mehr, kein Ziel, kein Auftrag.

Sondern Alltag.

Gelebte Realität.


Während ich diese Worte schreibe, spüre ich eine tiefe Sehnsucht in mir aufsteigen – vielleicht sogar einen Hauch von Wehmut.

Denn wahrscheinlich werde ich diese Lebensrealität nicht mehr erleben.

Und wenn ich ehrlich bin, frage ich mich: „Werden wir ihn je erreichen?“

Wenn ich mir den Zustand der Welt anschaue, kommen mir Zweifel.


Aber eines weiß ich mit Sicherheit: Wer es nicht versucht, wird es ganz sicher nicht erleben.

Aber zwischen dieser Utopie und der Wirklichkeit liegen Welten.Während wir von Inklusion sprechen,ämpfen viele von uns noch immer um das Nötigste – nicht für ein erfülltes Leben, sondern schlicht für Gleichstellung.


Die Wahrheit ist: Unsere Gesellschaft ist nicht für alle gemacht – und schon gar nicht mit allen.

Deshalb brauchen wir (noch immer) geschützte Räume.


Und nein – geschützte Räume sind nicht dazu da, uns abzugrenzen.

Sie sind dafür da, dass wir nicht mehr die einzigen bunten Hunde im Raum sind.

Dass wir gemeinsam – miteinander und voneinander – lernen und wachsen können.

Ohne ständig erklären, kämpfen oder funktionieren zu müssen.



Warum offene Strukturen allein nicht ausreichen

„Aber unsere Angebote sind doch für alle offen”.


Das ist super, aber „offen“ bedeutet nicht automatisch „zugänglich“.

Und schon gar nicht „sicher“.


Ein Raum kann physisch barrierefrei sein – und sich trotzdem falsch anfühlen.


Weil man die einzige Person mit Behinderung ist.

Weil andere Menschen nicht wissen, wie sie mit einem umgehen sollen – oder es zumindest glauben.


Offene Strukturen laden oft nur dann ein, wenn man bereit ist, sich (als Mensch mit Behinderung) anzupassen.

Wenn man nicht zu laut, nicht zu sichtbar, nicht zu „anders“ ist.

Und wer das nicht kann oder will, bleibt außen vor – obwohl die Tür angeblich offen steht.



Was geschützte Räume konkret ermöglichen können

In einem geschützten Raum muss ich mich nicht erklären.

Ich muss meine Hilfsmittel nicht rechtfertigen, meine Körper nicht verteidigen, meine Geschichte nicht verstecken.

Ich darf einfach sein.

Und das verändert alles.


Plötzlich geht es nicht mehr um Barrieren – sondern um Begegnung.

Nicht um Defizite – sondern um Potenzial.

In solchen Räumen entstehen Gespräche, in denen sich Menschen mit Behinderung nicht „anders“ fühlen – sondern zugehörig

.Es entsteht Vertrauen, Mut und noch so viel mehr.


Geschützte Räume und offene Strukturen schließen sich nicht aus. - Im Gegenteil:

Sie bedingen einander.

Geschützte Räume geben uns Kraft, Selbstbewusstsein und Gemeinschaft.


Offene Strukturen geben uns Sichtbarkeit, Teilhabe und Wandel.

Ohne Schutz kann Teilhabe überfordern.

Ohne Offenheit bleibt Veränderung aus.


Wenn wir wirklich Inklusion wollen – nicht als Wort, sondern als gelebte Realität – dann brauchen wir beides:

Räume, in denen wir auftanken können. Und Räume, in denen wir mitgestalten dürfen.


Nur so kommen wir der Utopie näher.


Schritt für Schritt.

Miteinander.

 
 
 

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